ja zum nein – und zu noch viel mehr!

Rezension von „Ja zum Nein“ von Kirstin Nickelsen.

Zugegeben: Ich habe es zwischendrin verflucht, dass ich zugesagt hatte, eine Rezension dieses Buches zu schreiben. Ich lese nämlich Bücher tatsächlich, bevor ich was darüber schreibe. Deswegen rezensiere ich nur sporadisch und auch nur Publikationen, die mich wirklich interessieren. Und wenn ich Pech habe, artet das in Arbeit aus.

cover-jazumnein9783658068325 So auch hier: Dieses Buch ist Arbeit. Arbeit am Selbst. An der Harmoniesucht, am Gemocht-Werden- und Es-Allen-Recht-Machen-Wollen, das nur allzu oft dazu führt, dass man „Ja“ sagt, obwohl man eigentlich „Nein“ meinte. Folgerichtig heißt es im Untertitel „Selbstachtung statt Harmoniesucht – Mit Sofort-Übungen für den beruflichen Alltag“. Denn, wie die Autorin sagt: „Nur lesen reicht einfach nicht aus“.

Doch zuerst die Eckdaten: „Ja zum Nein“ ist in sieben Teile gegliedert, die von den inneren Faktoren beginnend nach außen führen. Also vom Wollen und den Ausreden über Gefühle, Glaubenssätze und Konflikte zum Selbstwert. Dann geht es weiter in Richtung äußere Faktoren mit Fallen, die wir selbst und andere uns stellen, über klare Kommunikation hin zum Nein im beruflichen Alltag. Am Schluss folgt ein kompakter Leitfaden mit einem Überblick über die wichtigsten Schritte.

Dieser Weg von innen nach außen ist kein einfacher. Zwingt er doch dazu, sich wirklich mit sich selbst auseinanderzusetzen und zu ergründen, wieso man denn oft – oder auch nur manchmal – „Ja“ sagt, wenn man eigentlich „Nein“ meint. Schon der Titel macht klar, was sich als roter Faden durch das Buch zieht: Dass ein klares Nein auch immer ein starkes Ja beinhaltet – und zwar zu sich selbst, zu seinen Bedürfnissen, Wünschen und Grenzen. Daher ist der Weg von innen nach außen zwar anstrengend, aber mit Sicherheit nachhaltiger, als sich nur ein paar simple Nein-Strategien anzueignen.

Übungen für den Nein-Sagen-Muskel

Und Nein-Sagen bedeutet nun nicht, zukünftig alle – egal ob Freunde, Familie, Kunden oder Kollegen – vor den Kopf zu stoßen und nur noch komplett egozentrisch unterwegs zu sein. Es bedeutet vielmehr, gut zu sich zu sein und auf sich selbst, aber auch auf andere zu achten. Daher fordert Kirstin Nickelsen gleich in einer der ersten Übungen dazu auf, nicht nur die Dinge aufzulisten, zu denen man zukünftig Nein sagen möchte, sondern auch, das was man an positiven Resultaten daraus erwartet. Und die lenken den Blick aufs Positive, auf das Ja.

Also lernen wir mit dem Buch, Nein zu sagen zu übergriffigen Mitmenschen, zu Energievampiren und überfordernden Chefs. Wir üben, Nein zum Perfektionismus und hinderlichen Glaubenssätzen zu sagen. Wir trainieren den Nein-Sagen-Muskel, gleichzeitig zwingt das geschilderte Vorgehen zu nichts: „Vergessen Sie quasi jeden Tipp, von dem Sie nicht mindestens überzeugt sind, ihn ausprobieren zu wollen.“ Das fand ich eine beruhigende Ansage.

Die Autorin ist Wirtschaftsmediatorin mit jahrelanger Praxis, und das spürt man beim Durcharbeiten des Buchs  deutlich. Jede Menge Praxisbeispiele und noch mehr Übungen machen es zu einem handlungsorientierten Begleiter auf dem Weg zum klaren Nein und raus aus der Scheu vor Konflikten. Denn die kann es natürlich immer geben, wenn man plötzlich Nein sagte, wo sich doch das Umfeld so schön an das zuverlässige Ja gewöhnt hatte …

Mein Fazit: „Ja zum Nein“ ist kein bequemes Buch, aber wer es durcharbeitet, wird sich verändern.

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Texterin, Redakteurin, Bloggerin. Liefert Konzept, Text und Redaktion für Web, Werbung und Corporate Publishing. Bloggt hier übers Leben und Texten und dort übers Reisen: rumreiserei

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